Geschichte der Heilig-Geist-Kirche Hiesfeld

Die Entstehung der Heilig-Geist-Kirche

In der neuen Kapelle des Klosters Heilig Geist werden sonntags vier hl. Messen gefeiert: um 6.30 Uhr die Frühmesse, um 7.45 Uhr die zweite hl. Messe, um 9.00 Uhr die Kindermesse und um 10.30 Uhr das Hochamt. Um 14.00 Uhr war Christenlehre und um 15.30 Uhr Andacht. Bei den meisten Messen ist die im Obergeschoss gelegene Kapelle so überfüllt, dass die Menschen noch auf der Treppe bis ins Erdgeschoss hinunter stehen.

Dies nimmt das Bistum Münster zum Anlass, am Weißen Sonntag 1959 der Heilig-Geist Gemeinde die Erlaubnis zu erteilen, im nächsten Jahr mit dem Bau einer separaten Kirche zu beginnen.

Am Heiligen Abend 1959 informiert die örtliche Presse über den geplanten Neubau einer Kirche in Heilig Geist. Hier schon zeigt sich Pater Gottfrieds Fähigkeit, das knappe Geld der Leute Gemeindezwecken dienlich zu machen. Sein „Rezept“: an Geburtstagen entsprechend der Zahl der Lebensjahre Pfennige, Groschen oder Marken spenden.

Am 26. Mai 1960, dem Fest Christi Himmelfahrt, wird in Anwesenheit zahlreicher und prominenter Gäste der erste Spatenstich für die neue Kirche vorgenommen. Pfarrer Eckholt führt ihn aus, und Pater Gottfried segnet das Gelände ein. Zuvor hat unter freiem Himmel ein Levitenhochamt  stattgefunden.

 

 

Auch Kinder,  hier Christoph Hesse, heute Diakon in Oeding, führen einen Spatenstich aus.

 

 

Die Ortspresse schreibt: "Eine für die beiden katholischen Gemeinden Herz Jesu und Heilig Geist erhebende Feierstunde fand am Feste Christi Himmelfahrt in Hiesfeld statt. Groß war die Schar der Pfarrangehörigen und Gäste, die sich auf dem Gelände an der Albrecht Dürer Straße eingefunden hatten, um mit der Geistlichkeit dem feierlichen ersten Spatenstich beizuwohnen, den Pfarrer Eckholt zum Kirchenneubau des Rektorats Heilig Geist tat. Der Feier vorausgegangen war ein Levitenhochamt im Freien, in dem die Gläubigen den Segen des Allmächtigen für das nun begonnene Werk erbeten hatten. Das Grundstück war mit Kirchenfahnen geschmückt. Ein freundlicher Himmel blickte auf die freudig gestimmten Menschen, als Pastor Gottfried Martijn in feierlichem Zeremoniell das Gelände einsegnete, auf dem bis Pfingsten 1961 das neue Haus erstehen soll."

Am Sonntag, dem 9.10.1960, ist feierliche Grundsteinlegung. In der dabei eingemauerten Pergamenturkunde heißt es u. a. "Das Pfarrrektorat (Heilig Geist) ist ein Teil der Mutterpfarrei Hiesfeld Herz Jesu und durch Bischöfliche Urkunde vom 6.11.58 seelsorglich von ihr abgetrennt worden. Der Gottesdienst für die heute 2700 Seelen zählende Gemeinde findet in der Kapelle des Passionistenklosters statt. Das neue Pfarrrektorat entstand hauptsächlich durch von der Schachtanlage Lohberg angesiedelte katholische Bergleute und durch Zuwanderung, denn der neue Pfarrbezirk war vor dem Kriege überwiegend evangelisch.

Im Äußeren schlicht und einfach, im Inneren voll Wärme, soll die Kirche eine Stätte der Ruhe und des Friedens sein. Das Licht, das in vielen Farben die neue Kirche zu durchleuchten versuchen wird, soll ein Sinnbild des Heiligen Geistes sein, der sein Licht in uns sendet, damit es auch aus uns leuchten kann. Inständig weihen wir die Gemeinde, den Bau und die Bauleute, seine Wohltäter und Besucher dem Geist der

Am 24. Juni hat Frau Jula Thyssen Pater Gottfried angeboten, den Tabernakel zu stiften.

Nach der Konsekration der Kirche am 24. und 25. Juni 1961 kann man am nächsten Tag unter anderem in der Presse lesen: "Die katholische Gemeinde Heilig Geist in Hiesfeld hatte gestern ihren großen Tag. Weihbischof Baaken war gekommen, um die von Architekt Buchmann entworfene Heilig Geist-Kirche zu weihen. Die Feierlichkeiten begannen bereits am Samstagabend, als der Bischof die Kirche dreimal umschritt und segnete sowie das Aschenkreuz auf dem Boden des Kirchenschiffs auslegte. Am Sonntagmorgen fand der zweite Teil der Kirchweihe statt, an den sich ein Levitenamt mit pontifikaler Assistenz anschloss. Abschluss der Feiern zur Kircheneinweihung bildete ein Festakt im Saal Meurer in Hiesfeld.

Weihbischof Baaken unterstrich in seiner Festansprache die besondere Stellung der katholischen Gläubigen im Kreis Dinslaken: "Wir stehen hier mit unseren evangelischen Mitbrüdern in vorderster Front im Kampf gegen den Unglauben. Hier müssen katholische Jungmänner und Männer und evangelische Christen bereit sein, Gotteswort und Menschenwürde sozusagen im Schützengraben, im täglichen Leben, zu vertreten. Der Bischof weiß um die Schwierigkeiten in diesem Raum, und er trägt sie mit, so gut er kann."

Zur Einweihung erläuterte der Architekt Heinz Buchmann den Entwurf der von ihm geplanten und errichteten Kirche wie folgt:

"Eine Kirche zu bauen, das heißt: einen Bezirk inmitten unserer Welt abzugrenzen und zu umhegen als eine Stätte einzigartiger Bestimmung, als Gottes Haus. ... Wenn wir an die Aufgabe unser Bestes wenden wollen, so durfte es nicht die Erfindung nie dagewesener Formen in erster Linie sein, sondern das Bemühen, mit den Bauelementen unserer Zeit - mit Stein, Beton, Holz und Glas - der ewig gleichen Ordnung ein würdiges Gehäuse zu geben.

Wir haben es versucht, indem wir den Elementen ihre natürliche Gestalt beließen, Ziegelstein, Beton, Glas und Holz außen wie innen ihr Gesicht behielten, die äußere Form der inneren entsprechend und die Verbindung der verschiedenen Materialien ablesbar blieben."

Um dieselbe Zeit findet in der neu erbauten Kirche das Dekanatsfest der Kirchenchöre statt. Selbst Fachleute sind von der "Akustik des formschönen Gebäudes überrascht." Kirchenmusikdirektor Weber aus Mülheim, ein Mann von großer Erfahrung, urteilt bei dieser Gelegenheit, "dieser neue Bau aus Beton und Glas klinge ausgezeichnet. Eine bessere Akustik habe er in einer neuen Kirche noch nie gehört."

Und das geschah in der Folgezeit

Am 13. August 1960 weiht Pfarrer Heinrich Eckholt die vier neuen Glocken von Heilig Geist. Sie wurden gestiftet von der Mutterpfarre Herz Jesu, von der Hamborner Bergbau AG, von den Pfarrangehörigen und von der Familie Schmelzer.

Am 1. Februar 1964 wird Heilig Geist eine selbstständige Pfarrgemeinde mit eigener Vermögensverwaltung. Damit ist die Trennung von der Mutterpfarrei vollzogen, und es wird ein eigener Kirchenvorstand gewählt.

Ostern 1967 wird die Liturgie der Osterfeuerweihe im inzwischen fertiggestellten Atrium vor der Kirchen durchgeführt.

Am 16. Juli 1977 wird der Erweiterungsbau des Pfarrsaals in Angriff genommen. Die neuen Räume sollen hauptsächlich für die Jugendarbeit genutzt werden.

Am 23. April 1978 wird der um mehrere Räume erweiterte Pfarrsaal eingeweiht.

Am 26. Juni 1983 feiert die Kirchengemeinde Heilig Geist im Rahmen eines Pfarrfestes ihr 25-jähriges Bestehen. Regionalbischof Ludwig Averkamp zelebriert aus gleichem Anlass am 3. Dezember d. J. in der Pfarrkirche ein feierliches Pontifikalamt.

Anlässlich dieses Gemeindejubiläums begeistert Pater Gottfried die Gemeinde für die Idee, in der Heilig-Geist-Kirche eine Pfeifenorgel – wie er sagt: „eine richtige Orgel“ – zu installieren. Schnell ist ein Orgelförderkreis gegründet, und die Gemeinde startet viele kreative Aktionen zu Gunsten des Orgelprojektes. Und auch die Klostergemeinschaft ist von der Idee begeistert.

Die Ordensgemeinschaft der Passionisten leidet unter fehlendem Nachwuchs. Standort müssen aufgegeben und neue Schwerpunkte gesetzt werden. Das Kloster in Hiesfeld soll als zum Heimatland nächstliegende Niederlassung weitere, ältere Ordensangehörige aufnehmen und meldet Eigenbedarf an den bislang von der Pfarrgemeinde genutzten Räumlichkeiten an. Am 25. November 1984 erfolgt deshalb die Grundsteinlegung zu einem eigenen Pfarrheim.

Am 2. Juni 1985 wird in der Kirche eine neue Orgel eingeweiht. Sie kostet 225.000,- DM und ist bei der Einweihung schon zu 90 % bezahlt.

Das neue Pfarrheim kann nach eineinhalbjähriger Bauzeit am 26. Oktober 1985 eingeweiht werden.

Im November 1994 übernahm Pfarrer Peter Liebens die Leitung der Gemeinden Heilig Geist und Herz-Jesu, dem Team gehörten auch Herr Pastoralreferent Adolfo Terhorst und weiterhin Pater Frans als Vikarius Kooperator mit reduzierter Stundenzahl an. Leider erwies sich auch diese Belastung als zu hoch für sein krankes Herz, so dass er im Oktober 1995 die Gemeinde endgültig verlassen musste und nach Haastrecht zog.

Mit ihrer Verabschiedung am 28. April 1996 endet die Anwesenheit der Passionisten in Dinslaken‑Hiesfeld. Sie sind aus Personalmangel nicht mehr in der Lage, ihre hier vor fast 40 Jahren gegründete Klostergemeinschaft aufrechtzuerhalten.

Für die Kirchengemeinden Heilig‑Geist Dinslaken-Hiesfeld und Herz‑Jesu Oberlohberg endet damit eine schöne Zeit religiöser Geborgenheit und umfassender seelsorglicher Betreuung. Was bleiben wird  sind Dankbarkeit, die Erinnerung an liebe Menschen und gute Freunde, die man nicht vergisst, und drei Gräber auf dem katholischen Friedhof Oberlohberg, an denen sicher noch manche stumme Zwiesprache gehalten wird.

Den Südflügel des Klosters wird auf den Caritasverband Dinslaken übertragen, der hier in der Folgezeit eine zentrale Stelle für die Betreuung psychisch Kranker einrichten wird. Den Ostflügel erwirbt die Kirchengemeinde Heilig Geist. Sie errichtet hierin zwei Wohnungen für Seelsorger sowie Räume für die Pfarrverwaltung.

Im Jahre 1999 wurde es erforderlich, die Heilig Geist Kirche zu renovieren. Durch Bergschäden war die Kirche erschüttert und drohte, auseinanderzubrechen. Es wurde notwendig, den ganzen Boden herauszunehmen, die Kirche auszuschachten, Bewehrungen als neues Fundament zu verlegen und dies alles wieder zu schließen. Dadurch bestand die Gelegenheit, den Altar- und Taufraum neu zu gestalten.

Nach einem halben Jahr Bauzeit konnte ab November 1999 die Kirche wieder für Gottesdienste genutzt werden.

Zu Beginn des Jahres 2001 fusionierten die Gemeinden Herz Jesu und
Heilig Geist. Der Fensterzyklus der Heilig Geist Kirche wurde im Jahr 2002 fertig gestellt.

Im März 2009 entschied die Diözese, dass die Gemeinden Heilig Geist, St. Jakobus und St. Marien möglichst kurzfristig fusionieren sollten. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass der Fusion die Ablösung aller drei Gemeindepfarrer vorausgehen sollte.

Am 08. November 2009 fusionierten die Gemeinden zur neuen Heilig Geist Gemeinde. Herr Pfarrer Kauling übernahm die Leitung der Gemeinde, gemeinsam mit Herr Kaplan Britzwein, Herr Kowalski, Herr Roth und Herr Terhorst bildete er das Team der Seelsorge in der Fusionsgemeinde.

 

Über die Reliquien in der Heilig-Geist-Kirche
(nach Pfarrer Peter Liebens)

Da nach der Sanierung die Reliquien der Heilig-Geist-Kirche ihren Platz „zu Füßen des Altars“ bekommen sollten - wie es den heutigen Richtlinien entspricht - wurden zu Beginn der Baumaßnahme am 13.04.1999 das Reliquiengrab des Altars geöffnet und die versiegelte Reliquiendose entnommen. Leider wurde dabei keine Konsekrationsurkunde oder ähnliches gefunden, so dass Pfarrer Liebens sich im Bischöflichen Archiv erkundigte.

Von dort bekam er die Auskunft, dass bei der Weihe am 25.06.1961 durch Weihbischof Baaken die Reliquien „Ss Innocentiae et Prudentiae“ eingelassen worden waren.

Nachforschungen ergaben:
Innocentia und Prudentia sind wohl zwei frühchristliche römische Märtyrerinnen.

Über Prudentia zumindest ist dies bekannt. Ihr Weg ist zurückzuverfolgen von Münster nach Rom in die Pretesato Catacombe, wo sie wohl während der Verfolgung unter Valerian (257 bis 260) als Märtyrerin beigesetzt und in Folge verehrt wurde.

Die Reliquien der hl. Prudentia kamen 1878 als Geschenk von Papst Pius IX an Bischof Brinkmann nach Münster und fanden 1981 ihren Platz in dem Prudentia-Schrein in Beckum.

Die Reliquien in unserem Altar sind wohl ein Teil diese Prudentia-Reliquien und verbinden uns mit dem Frühchristentum Roms.

Über die Reliquien der Hl. Innocentia konnte Pfarrer Liebens nichts Näheres in Erfahrung bringen.

 

Die Seelsorger der Heilig-Geist-Gemeinde im Überblick

1. Dezember 1958: Mit der Erhebung von Heilig Geist zu einem selbständigen Seelsorgebezirk werden P. Gottfried Martijn zum Pfarrrektor und P. Mattheo Veelenturf zu seinem Kaplan ernannt.

Mit P. Leon Goertz erhält Heilig Geist im September 1965 einen neuen Kaplan.

P. Hubert Ennenga empfängt am 6. Februar 1972 in der Heilig-Geist-Kirche das Sakrament der Priesterweihe. Am 5. März beginnt er seine seelsorglichen Tätigkeiten als Kaplan in Heilig Geist.

Am 14. Januar 1973 erhält P. Gerd Blick durch Weihbischof Laurenz Böggering in der Heilig-Geist-Kirche die Priesterweihe. Er wird Religionslehrer am Ernst-Barlach-Gymnasium in Dinslaken und widmet sich der Jugendarbeit im Heilig Geist. Im April 1974 wird er Kaplan in Heilig Geist.

Am 11. Februar 1979 wird P. Mattheo zum neuen Pfarrer von Herz Jesu ernannt.

Am 9. Januar 1983 werden der Heilig-Geist-Gemeinde im Hochamt zwei neue Patres vorgestellt. Es sind P. Artur Neuhaus, der die Stelle eines Kaplans einnimmt, und P. Alfons Rijniers, der als Subsidiar in der Gemeinde wirken und sich besonders den älteren Pfarrangehörigen widmen soll.

Am 26. September 1987 nimmt P. Gottfried im Rahmen eines Festhochamts Abschied als Pfarrer von seiner Gemeinde, in der er 31 Jahre als Seelsorger tätig war.
Sein Nachfolger wird P. Frans Derix, der am 17. Januar 1988 in sein Amt eingeführt wird. In der Zwischenzeit übernimmt P. Arthur die Aufgaben des Pfarrverwalters.

Am 22. Mai 1991 stirbt P. Gottfried. Unter starker Beteiligung der Bevölkerung wird er am 27. Mai auf dem Friedhof in Oberlohberg beigesetzt.

Am 16. Oktober 1994 vollendet P. Arthur nach 12 jähriger Tätigkeit als Kaplan in Heilig Geist sein 70. Lebensjahr und tritt in den wohlverdienten Ruhestand.

Am 6. November 1994 wird Peter Liebens als neuer Pfarrer von Heilig Geist und am 13. November von Herz Jesu eingeführt. Beide Gemeinden werden jetzt von dem Seelsorgeteam Peter Liebens als Pfarrer, P. Frans als Subsidiar und Pastoralreferent Adolfo Terhorst betreut.

Am 13. Oktober 1995 stirbt P. Alfons im Alter von 80 Jahren. Er wird unter starker Anteilnahme der Bevölkerung am 18. Oktober auf dem Herz-Jesu-Friedhof zu Grabe getragen.

Am 29. Oktober 1995 wird P. Frans von den Hiesfelder Gemeinden verabschiedet.

Im Herbst 2008 verlässt Pfarrer Peter Liebens die Gemeinde, Pfarrer Gregor Kauling wird im November 2008 in sein Amt als Pfarrer eingeführt.

 

 

 

 

Scroll To Top