Fensterzyklus in der Heilig-Geist-Kirche

Aus jedem Kreuz wächst neues Leben
Die katholische Heilig-Geist-Kirche in Dinslaken-Hiesfeld sticht in ihrer künstlerischen Ausstattung durch ihren umfangreichen Fensterzyklus hervor. Er ist Anfang März 2002 mit dem Einbau des letzten Fensters vollendet worden. Alle 25 Fensterflächen im Hauptschiff, den Seitenschiffen und im Querhaus wurden in einem Zeitraum von vier Jahrzehnten nach Entwürfen des Künstlers Joachim Klos aus Nettetal gefertigt. Das, was in anderen Kirchen, Gemälde, Fresken, Skulpturen und Figuren an Glaubensbotschaften vermitteln, geschieht in unserer Kirche neben den Aussagen, von Architektur und Grundausstattung vornehmlich durch die Kunstverglasungen der Fenster. Die abgebildeten Feld aus dem rechten Seitenschiff greife ich auf, um mich mit ihnen der Botschaft von Ostern zu nähern.

Das Kreuz. Da ist zunächst das Zeichen des Karfreitags. Ganz leicht, fast filigran ist das Kreuz in seinen Linien. Stellenweise ragt es hinein in die intensiven Töne des Blaus, der Farbe der Schöpfung und des Lebens. Ungewöhnlich, dieses Kreuz erinnert an das Kreuz Jesu und darin aber auch universal an alle Kreuze der Menschen und der ganzen Schöpfung zu allen Zeiten. Der paradiesische Baum des Lebens ist hier zum toten Holz des Kreuzes geworden. Wir sind eingeladen unsere eigenen Kreuze darin zu erkennen und alle Kreuze der Welt unserer Zeit. Erfahrungen von Gebrochenheiten, von Krankheiten, Abschied, Trennung und Tod gehen an keinem Leben vorbei. Auf uns alle treffen Nachrichten von Grausamkeit und Folter, von Krieg und Entwürdigung der Menschen, die uns vielfach sprachlos und ohnmächtig machen.

Das Kreuz ist ein Mahnmahl, es ruft uns als Christen auf, für das Leben einzutreten, Kreuze zu erleichtern oder sie tragen zu helfen. Es fordert auf, aufzustehen gegen Ungerechtigkeit und Entmenschlichung. Und dazu gehört auch, Tieren und Pflanzen die ihnen eigenen Lebensräume und Lebensweisen zu sichern, im Respekt vor allen Geschöpfen. Wir werden Kreuze wohl nie ganz beseitigen können, aber wo immer es möglich ist, sind wir gerufen sie zu neuem Leben hin zu wandeln. Und auch da, wo ein Kreuz ganz und gar unausweichlich ist, lässt uns vielleicht das Leben Jesu ein wenig hoffen, das Leben, das den Tod besiegt hat.


Alle Tränen trocknen
Neuer Himmel - neue Erde. Ein Leitmotiv, das unseren Fensterzyklus an mehreren Stellen durchzieht, ist der lebensspendende Schöpfergeist Gottes, der sich gegen alles Zerstörerische und Todbringende in der Welt durchsetzen will. Und dass dies in Erfüllung gehen wird, zeigen die Fenster des Obergardens mit Bildern aus der Offenbarung des Johannes, die letztlich einen neuen Himmel und eine neue Erde verheißen. Alle Kreuze werden dann ein für alle Mal in Leben verwandelt werden: "Gott wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen" (Offb 21,3b 4). Dieses Leben in der Vollendung bei Gott wird in mehreren Fenstern symbolisch und farblich dargestellt.


Sonne, Mond und Leben
Da ist die Sonne wie damals, in der Frühe des ersten Wochentages, dem ersten Ostern. Diese Sonne, sie bildet den Abschluss von fünf Bildern, die in Folge den Mond, das Kreuz, einen toten Baum, einen zum Leben erwachenden Baum wiedergeben. Dies ist die Sonne der Auferstehung mit ihrem frischen Grün. In dieser Sonne steckt Dynamik, zum Himmel, auf Gott hin strebende Bewegung. Neues Blattwerk treibt aus ihr hervor, lässt sie den Betrachter als Blume erscheinen. Uns allen blüht das Leben. Aus allen Kreuzen, aus allen Dunkel und selbst aus dem Tod geht neues Leben hervor. Wie das Kreuz, so ist auch diese Sonne ein Bild für die gesamte Schöpfung, aber auch für jedes einzelne menschliche Leben. Diese Sonne spricht Leben zu im Hier und Jetzt. Glas und Farbe sind hier transparent auf die Gegenwart eines lebenspendenden Gottes hin.

"Als ich letztens mit Kindern während eines Gottesdienstes nach Zeichen des Kreuzes und des Lebens suchte und mit ihnen umherging, da rief ein Kind ganz spontan und laut vor diesem Sonnenfenster aus: "Hier ist ganz viel Leben!" Es ist schön, wenn Menschen das mitnehmen können von einem Kirchenraum, aus einem Gottesdienst heraus oder ganz viel Leben für jeden von uns, an Ostern, aber darüber hinaus jeden Tag.

Text: Pfarrer Peter Liebens
Fotos: Martin Büttner

Weitere Fotos der Fenster mit den dazugehörenden Erklärungen finden Sie unter 

http://www.glasmalerei-ev.de/pages/b855/b855.shtml

 

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