Predigt Bischof Genn zu 60 Jahre St. Jakobus

Liebe Schwestern und Brüder,

das Erste, was ich Ihnen heute Nachmittag sagen möchte ist ein ausdrückliches und aufrichtiges Wort des Dankes. Dieser Dank gilt natürlich in erster Linie unmittelbar denen, die diesen Tag vorbereitet und dazu bis zur letzten Minute viele Stunden ihrer Freizeit hier in der Kirche und in der Umgebung der Kirche verbracht haben, damit diese Festfeier um diese Stunde möglich sein kann. Aber dahinter steckt noch viel mehr.


 

Herr Schneider hat zu Beginn der Begrüßung dieses ein wenig deutlich gemacht: 60 Jahre lebt hier eine Gemeinde und hat in diesem Raum ihren zentralen Punkt. 60 Jahre, was ist das für ein Zeitraum für diejenigen, die hier begonnen haben, Gemeinde zu bilden, die sich bemühten, eine Kirche zu bauen, weil sie hier ihre Arbeit und ihre neue Heimat nach Flucht und Vertreibung fanden, hier ihren zentralen Mittelpunkt des kirchlichen und christlichen Lebens sehen durften. Und dem sind Sie über all die Jahre treu geblieben!

Dazu kamen die verschiedenen Bewegungen und Wandlungen, die sich in diesen 60 Jahren vollzogen haben. Sie, hier in Dinslaken St. Vincentius, haben das ganz besonders intensiv in den unmittelbar zurückliegenden 10, 15 Jahren erfahren müssen. Wenn Sie nur an die Diskussionen um Gemeindezusammenführungen oder um die Frage der Existenz von Kirchengebäuden denken. Dass Sie in all diesen Wandlungen spüren ließen: Es geht um mehr als um eine äußere Struktur und Organisation, auch um mehr als um Steine und Gebäude, dafür gebührt Ihnen ein ganz besonderer Dank. Sie haben das dadurch deutlich gemacht, dass Sie immer wieder zum Gottesdienst gekommen sind, unermüdlich tätig waren, Gemeinde zu bildet und aufzubauen in den unterschiedlichen Gremien, Gruppen, Verbänden, in den Festen und im gemeinsamen Gebet. Wenn diese Mauern sprechen könnten, was würden sie alles erzählen von Lob und Dank, von Bitten und Klagen - auch von Ihnen. Was haben Sie alles hier schon ablegen können, oder um Ihren Glauben gerungen! Das gehört zur inhaltlichen Füllung dieser heutigen Festfeier, liebe Schwestern und Brüder!

Das Zweite hat Herr Schneider mir auch eben schon als Stichwort gegeben: Er hoffe, dass es auch weitere 60 Jahre geht, und ich darf hinzufügen: Und noch viel mehr! Aber, wie kann das geschehen? Was ist dieser Raum, wenn ich davon spreche, er sei der zentrale Punkt Ihres gemeindlichen Lebens? Er ist doch das Zeichen für Gott, das Zeichen für den Gott, von dem wir Christinnen und Christen bekennen: Er hat eine Sehnsucht nach uns Menschen.

Vielleicht kommt Ihnen das zunächst einmal ungewöhnlich vor, so zu sprechen. Wenn aber Sie sich erinnern, was eben aus der ersten Lesung uns vorgelegt und verkündet wurde, dann ist dies berechtigt, von einer Sehnsucht Gottes zu sprechen. Gott möchte alle Völker einladen zu einem großen Mahl. Davon spricht der Prophet Jesaja - geradezu visionär: „und wehe dem Volk, das keine Visionen mehr hat“ (vgl. Spr 29,18), heißt es an einer anderen Stelle der Heiligen Schrift. Dieser Prophet hat eine Vision: Aus dem Glauben an den Gott Israels, dessen Name besagt: Ich bin für euch da, ich bin mit euch unterwegs, kann er dieses Bild entwerfen, dass es Gott darum geht, mit der Menschheit ein Fest zu feiern. Dass es Gott darum geht, den Tod zu vernichten und dadurch dieses Fest klaglos und mit gefüllter Freude zu feiern. Dafür steht das Bekenntnis zu Gott in unserem christlichen Glauben: Er hat eine Sehnsucht nach uns! Jesus greift das im Evangelium auf, wenn Er das Reich Gottes vergleicht mit einer Einladung zu einer Hochzeit. Er spricht davon, dass Gott Menschen einlädt, zu Ihm zu kommen.

Liebe Schwestern und Brüder, wie kann das geschehen, dass ein solcher Raum und diese Gemeinde Einladung ist, die Sehnsucht Gottes anzunehmen? Ich weiß nicht, ob es Ihnen möglich ist – hier in St. Jakobus – die Kirche tagsüber offen zu halten. Damit deute ich ein konkretes Problem an. Viele unserer Kirchen im Bistum müssen geschlossen werden, weil der Vandalismus so stark ist, dass die Gemeinden sich das gar nicht leisten können, immer wieder neue Renovierungen zu bezahlen. Ich weiß nicht, wie man es anstellen kann, aber vielleicht können Sie einmal in Ihren Gremien und Gruppen überlegen: Wie könnte wenigstens zeitweise dieser Raum offenstehen, damit er das Zeichen ist für die ausgebreiteten Arme des Erlösers, der uns einlädt, Seiner Sehnsucht, mit uns zusammen zu sein, Antwort zu geben. Vielleicht hilft es schon, dass zu bestimmten Zeiten Menschen hier anwesend sind und damit Besucher wie Beter freundlich empfangen.

Aber es gibt noch eine andere Überlegung, die uns helfen kann, die Einladung Gottes, Seiner Sehnsucht Raum zu geben, konkret werden zu lassen, nämlich wir selbst: Sind wir einladend? Was nützt es diesem Raum, wenn er nicht von Menschen bewohnt wird, wenn er nicht von den Gebeten von Menschen erfüllt wird. Was nützt dieser Raum, wenn es nicht Menschen gibt, die ihn mit ihrem Leben und ihrem Gesicht darstellen mitten in dieser Welt und so Kirche sind. Kirche ist nämlich nichts anderes als die Einladung, dass Menschen sich die Frage stellen: Kennst Du die Sehnsucht Gottes? Kannst Du Dir vorstellen, dass Gott sich nach Dir sehnt, dass Er mit Dir zusammen sein will?

Liebe Schwestern und Brüder, wie können Sie das leben? Indem Sie zunächst einmal für sich selbst eine Antwort suchen auf die Frage nach der Sehnsucht Gottes. Er sehnt sich, mit uns zusammen zu sein. Wie antworte ich Ihm darauf?

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus spricht im Evangelium von der Trauer Gottes, ja geradezu vom Zorn. Er hat Menschen eingeladen, und es sind so viele Dinge, die ihnen wichtiger sind als diese Einladung. Sind das nur die anderen, oder ist das auch manchmal bei uns der Fall? Was bedeutet es für uns, an Gott zu glauben, der eine solche Sehnsucht hat. Schließlich lädt Er alle ein, zu kommen, ob gut oder böse, auf die Straßen zu gehen, mit ihnen davon zu sprechen.

Dann ist einer dabei, der kein Gewand hat, das angemessen ist. Was ist damit gemeint? Damit ist gemeint, dass jemand es einfach so nimmt und sagt: Der kann ja froh sein, dass ich überhaupt da bin! Der gar nicht verstanden hat, dass sein Gewand darin besteht, diese Sehnsucht Gottes aufzugreifen und sie sich zu Eigen zu machen, selber zu brennen danach, mit Gott zusammen zu sein. Vielleicht spüren wir hier, dass wir damit auf einen Weg gerufen sind. Es handelt sich um einen Prozess, weil man in diese Bewegung der Einladung und der Antwort nicht im Handumdrehen hineinkommt. Vielmehr ist sie unser alltägliches Mühen, Ringen, Fragen, Zweifeln, Klagen, Bitten - aber damit wird Gott ein Element unseres Lebens, und ich stricke Ihn mir nicht einfach zurecht.

Der Schriftsteller Elias Canetti hat einmal gesagt: „Am unerträglichsten wäre ein Gott, der so wäre, wie man ihn sich wünscht“.[1] Wenn Er so wäre, wie man Ihn sich wünscht, dann könnten wir Ihn uns auf unsere Maße zusammenschneidern. In einer Sehnsucht aber geht es anders - das wissen Sie aus Ihren Beziehungen. In einer Sehnsucht steckt auch, sich immer neu überraschen zu lassen. Können wir uns unsere Beziehung zu Gott auch so denken, dass wir bereit sind, uns immer neu von Ihm überraschen zu lassen?

Liebe Schwestern und Brüder, gerade in einer Gesellschaft wie der unseren, in der viele nicht mehr mitmachen, weil sie nicht glauben können, oder weil Anderes wichtig ist - wir haben darüber nicht zu urteilen! -, kommt es aber auf diejenigen an, die gespürt haben: Gott brennt für mich, und ich möchte auch für Ihn brennen. Das lässt sich nicht in kleine Päckchen packen, sondern geht nur, wenn man in einer Beziehung bleibt, so wie Sie mit Ihrem Ehepartner und mit Ihrer Ehepartnerin immer in einer Beziehung bleiben, die geprägt ist von Überraschungen, von Alltag, von Gewohnheit und von immer wieder Neuem an Sehnsucht und Liebe.

Liebe Schwestern und Brüder, 60 Jahre und mehr, 60 Jahr plus, das wünsche ich St. Jakobus. Aber ich wünsche Ihnen vor allem, dass Ihre Sehnsucht nach Gott immer mehr zu der Antwort wird, die Er sich wünscht, weil Er Sehnsucht nach Ihnen hat. Gehen Sie damit einmal um, dass Er Sehnsucht nach Ihnen hat!

Amen.

 

[1]       Ich entnehme dieses Zitat von Elias Canetti der Schrift von T. R. Peters, Gott oder die „Kröte“ des Glaubens. Christsein nach Karl Rahner, Münster 2014, 15.

 

Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis A:  Jes 25,6-10a;
                                                                  Phil 4,12-14.19-20;
                                                                  Mt 22,1-14.

Predigt zum Jahrestag der Kirchweihe der Pfarrkirche St. Jakobus in Dinslaken vor 60 Jahren am Sonntag, 12.10.2014 - Bischof Dr. Felix Genn


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Predigt Bischof Genn zu 60 Jahre St. Jakobus

Liebe Schwestern und Brüder,

das Erste, was ich Ihnen heute Nachmittag sagen möchte ist ein ausdrückliches und aufrichtiges Wort des Dankes. Dieser Dank gilt natürlich in erster Linie unmittelbar denen, die diesen Tag vorbereitet und dazu bis zur letzten Minute viele Stunden ihrer Freizeit hier in der Kirche und in der Umgebung der Kirche verbracht haben, damit diese Festfeier um diese Stunde möglich sein kann. Aber dahinter steckt noch viel mehr.


 

Herr Schneider hat zu Beginn der Begrüßung dieses ein wenig deutlich gemacht: 60 Jahre lebt hier eine Gemeinde und hat in diesem Raum ihren zentralen Punkt. 60 Jahre, was ist das für ein Zeitraum für diejenigen, die hier begonnen haben, Gemeinde zu bilden, die sich bemühten, eine Kirche zu bauen, weil sie hier ihre Arbeit und ihre neue Heimat nach Flucht und Vertreibung fanden, hier ihren zentralen Mittelpunkt des kirchlichen und christlichen Lebens sehen durften. Und dem sind Sie über all die Jahre treu geblieben!

Dazu kamen die verschiedenen Bewegungen und Wandlungen, die sich in diesen 60 Jahren vollzogen haben. Sie, hier in Dinslaken St. Vincentius, haben das ganz besonders intensiv in den unmittelbar zurückliegenden 10, 15 Jahren erfahren müssen. Wenn Sie nur an die Diskussionen um Gemeindezusammenführungen oder um die Frage der Existenz von Kirchengebäuden denken. Dass Sie in all diesen Wandlungen spüren ließen: Es geht um mehr als um eine äußere Struktur und Organisation, auch um mehr als um Steine und Gebäude, dafür gebührt Ihnen ein ganz besonderer Dank. Sie haben das dadurch deutlich gemacht, dass Sie immer wieder zum Gottesdienst gekommen sind, unermüdlich tätig waren, Gemeinde zu bildet und aufzubauen in den unterschiedlichen Gremien, Gruppen, Verbänden, in den Festen und im gemeinsamen Gebet. Wenn diese Mauern sprechen könnten, was würden sie alles erzählen von Lob und Dank, von Bitten und Klagen - auch von Ihnen. Was haben Sie alles hier schon ablegen können, oder um Ihren Glauben gerungen! Das gehört zur inhaltlichen Füllung dieser heutigen Festfeier, liebe Schwestern und Brüder!

Das Zweite hat Herr Schneider mir auch eben schon als Stichwort gegeben: Er hoffe, dass es auch weitere 60 Jahre geht, und ich darf hinzufügen: Und noch viel mehr! Aber, wie kann das geschehen? Was ist dieser Raum, wenn ich davon spreche, er sei der zentrale Punkt Ihres gemeindlichen Lebens? Er ist doch das Zeichen für Gott, das Zeichen für den Gott, von dem wir Christinnen und Christen bekennen: Er hat eine Sehnsucht nach uns Menschen.

Vielleicht kommt Ihnen das zunächst einmal ungewöhnlich vor, so zu sprechen. Wenn aber Sie sich erinnern, was eben aus der ersten Lesung uns vorgelegt und verkündet wurde, dann ist dies berechtigt, von einer Sehnsucht Gottes zu sprechen. Gott möchte alle Völker einladen zu einem großen Mahl. Davon spricht der Prophet Jesaja - geradezu visionär: „und wehe dem Volk, das keine Visionen mehr hat“ (vgl. Spr 29,18), heißt es an einer anderen Stelle der Heiligen Schrift. Dieser Prophet hat eine Vision: Aus dem Glauben an den Gott Israels, dessen Name besagt: Ich bin für euch da, ich bin mit euch unterwegs, kann er dieses Bild entwerfen, dass es Gott darum geht, mit der Menschheit ein Fest zu feiern. Dass es Gott darum geht, den Tod zu vernichten und dadurch dieses Fest klaglos und mit gefüllter Freude zu feiern. Dafür steht das Bekenntnis zu Gott in unserem christlichen Glauben: Er hat eine Sehnsucht nach uns! Jesus greift das im Evangelium auf, wenn Er das Reich Gottes vergleicht mit einer Einladung zu einer Hochzeit. Er spricht davon, dass Gott Menschen einlädt, zu Ihm zu kommen.

Liebe Schwestern und Brüder, wie kann das geschehen, dass ein solcher Raum und diese Gemeinde Einladung ist, die Sehnsucht Gottes anzunehmen? Ich weiß nicht, ob es Ihnen möglich ist – hier in St. Jakobus – die Kirche tagsüber offen zu halten. Damit deute ich ein konkretes Problem an. Viele unserer Kirchen im Bistum müssen geschlossen werden, weil der Vandalismus so stark ist, dass die Gemeinden sich das gar nicht leisten können, immer wieder neue Renovierungen zu bezahlen. Ich weiß nicht, wie man es anstellen kann, aber vielleicht können Sie einmal in Ihren Gremien und Gruppen überlegen: Wie könnte wenigstens zeitweise dieser Raum offenstehen, damit er das Zeichen ist für die ausgebreiteten Arme des Erlösers, der uns einlädt, Seiner Sehnsucht, mit uns zusammen zu sein, Antwort zu geben. Vielleicht hilft es schon, dass zu bestimmten Zeiten Menschen hier anwesend sind und damit Besucher wie Beter freundlich empfangen.

Aber es gibt noch eine andere Überlegung, die uns helfen kann, die Einladung Gottes, Seiner Sehnsucht Raum zu geben, konkret werden zu lassen, nämlich wir selbst: Sind wir einladend? Was nützt es diesem Raum, wenn er nicht von Menschen bewohnt wird, wenn er nicht von den Gebeten von Menschen erfüllt wird. Was nützt dieser Raum, wenn es nicht Menschen gibt, die ihn mit ihrem Leben und ihrem Gesicht darstellen mitten in dieser Welt und so Kirche sind. Kirche ist nämlich nichts anderes als die Einladung, dass Menschen sich die Frage stellen: Kennst Du die Sehnsucht Gottes? Kannst Du Dir vorstellen, dass Gott sich nach Dir sehnt, dass Er mit Dir zusammen sein will?

Liebe Schwestern und Brüder, wie können Sie das leben? Indem Sie zunächst einmal für sich selbst eine Antwort suchen auf die Frage nach der Sehnsucht Gottes. Er sehnt sich, mit uns zusammen zu sein. Wie antworte ich Ihm darauf?

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus spricht im Evangelium von der Trauer Gottes, ja geradezu vom Zorn. Er hat Menschen eingeladen, und es sind so viele Dinge, die ihnen wichtiger sind als diese Einladung. Sind das nur die anderen, oder ist das auch manchmal bei uns der Fall? Was bedeutet es für uns, an Gott zu glauben, der eine solche Sehnsucht hat. Schließlich lädt Er alle ein, zu kommen, ob gut oder böse, auf die Straßen zu gehen, mit ihnen davon zu sprechen.

Dann ist einer dabei, der kein Gewand hat, das angemessen ist. Was ist damit gemeint? Damit ist gemeint, dass jemand es einfach so nimmt und sagt: Der kann ja froh sein, dass ich überhaupt da bin! Der gar nicht verstanden hat, dass sein Gewand darin besteht, diese Sehnsucht Gottes aufzugreifen und sie sich zu Eigen zu machen, selber zu brennen danach, mit Gott zusammen zu sein. Vielleicht spüren wir hier, dass wir damit auf einen Weg gerufen sind. Es handelt sich um einen Prozess, weil man in diese Bewegung der Einladung und der Antwort nicht im Handumdrehen hineinkommt. Vielmehr ist sie unser alltägliches Mühen, Ringen, Fragen, Zweifeln, Klagen, Bitten - aber damit wird Gott ein Element unseres Lebens, und ich stricke Ihn mir nicht einfach zurecht.

Der Schriftsteller Elias Canetti hat einmal gesagt: „Am unerträglichsten wäre ein Gott, der so wäre, wie man ihn sich wünscht“.[1] Wenn Er so wäre, wie man Ihn sich wünscht, dann könnten wir Ihn uns auf unsere Maße zusammenschneidern. In einer Sehnsucht aber geht es anders - das wissen Sie aus Ihren Beziehungen. In einer Sehnsucht steckt auch, sich immer neu überraschen zu lassen. Können wir uns unsere Beziehung zu Gott auch so denken, dass wir bereit sind, uns immer neu von Ihm überraschen zu lassen?

Liebe Schwestern und Brüder, gerade in einer Gesellschaft wie der unseren, in der viele nicht mehr mitmachen, weil sie nicht glauben können, oder weil Anderes wichtig ist - wir haben darüber nicht zu urteilen! -, kommt es aber auf diejenigen an, die gespürt haben: Gott brennt für mich, und ich möchte auch für Ihn brennen. Das lässt sich nicht in kleine Päckchen packen, sondern geht nur, wenn man in einer Beziehung bleibt, so wie Sie mit Ihrem Ehepartner und mit Ihrer Ehepartnerin immer in einer Beziehung bleiben, die geprägt ist von Überraschungen, von Alltag, von Gewohnheit und von immer wieder Neuem an Sehnsucht und Liebe.

Liebe Schwestern und Brüder, 60 Jahre und mehr, 60 Jahr plus, das wünsche ich St. Jakobus. Aber ich wünsche Ihnen vor allem, dass Ihre Sehnsucht nach Gott immer mehr zu der Antwort wird, die Er sich wünscht, weil Er Sehnsucht nach Ihnen hat. Gehen Sie damit einmal um, dass Er Sehnsucht nach Ihnen hat!

Amen.

 

[1]       Ich entnehme dieses Zitat von Elias Canetti der Schrift von T. R. Peters, Gott oder die „Kröte“ des Glaubens. Christsein nach Karl Rahner, Münster 2014, 15.

 

Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis A:  Jes 25,6-10a;
                                                                  Phil 4,12-14.19-20;
                                                                  Mt 22,1-14.

Predigt zum Jahrestag der Kirchweihe der Pfarrkirche St. Jakobus in Dinslaken vor 60 Jahren am Sonntag, 12.10.2014 - Bischof Dr. Felix Genn


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