Verräter oder Teil eines göttlichen Plans

Ein gebrochener Mann reckt mit letzter Kraft die Hände flehentlich zum Himmel, ein angstvoller Schrei: “ Nein, nein Herr, ich habe Dich nicht verraten“
ein Bild des Mitleids und der Hilflosigkeit zeigt sich dem berührten Zuschauer.
Judas, seit 2000 Jahren auf die Rolle des Verräters festgelegt, als verzweifelter Mensch!
War Judas tatsächlich ein Verräter oder Teil eines göttlichen Plans?
 

Mit  dem Ein-Personen-Stück „Die Verteidungsrede des Judas“ nach Professor Walter Jens stellte der Schauspieler Sebastian Aperdannier aus Münster in der Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg grundlegende Glaubensvorurteile in Frage.
Ein Mensch, der als Verräter in die Geschichte eingegangen ist, dessen Name gleichgesetzt wird mit Jud und der in unserer Namensgebung nicht vorkommt, weil verboten, durfte an diesem Abend Position beziehen zu seiner Rolle, die ihm als Teil des vorgesehenen Heilsplans zugedacht worden ist.
Dieser Judas, der seinen Herrn für 30 Groschen verraten haben soll, fordert die Aufhebung des Schuldspruchs! „Ja, ich bin ein Jud, doch er war es auch!“ Sebastian Aperdannier zeigt mit dem Finger auf das Kruzifix. „Ihn hätten sie genauso ins Gas gejagt!“
Er fordert nach 2000 Jahren die Aufhebung des Schuldspruchs, er fordert endlich sein Recht! Verzweifelt, aufgebracht, sachlich oder flehentlich argumentiert der Jude aus Iskariot.  Jesus war sein Freund und bewunderter Lehrmeister. Der Verrat im Garten von Gethsemane war unvermeidbar gewesen. Schließlich habe jeder gewusst, dass sich Jesus dort aufhalte, jeder habe ihn gekannt und jeder habe gewusst, dass er sich der König der Juden genannt habe.  Unter solchen Umständen kann man doch wohl nicht von Verrat reden.
Nur ein starker und frommer Mann, der Jesus in tiefer Gleichgesinntheit verbunden war, der wie er wusste, dass Gottes Heilsplan nicht ohne Judas und Judas nicht ohne Jesus sein konnte, nur ein solcher Mann wie er, konnte an der Auslieferung Jesu mitwirken. Nur einer wie Judas konnte diese  ihm von Gott zugedachte Rolle annehmen. Nur einer wie Judas konnte zeigen, wie weit die Menschen zu gehen bereit sind: zum Anschlag auf Gott!....
Jesus und Judas, die beiden sind nicht getrennt voneinander zu denken. Beide haben diesen von Gott bestimmten Weg gemeinsam gehen müssen, sowie der göttliche Heilsplan es vorgesehen habe.
Gedankenverloren stellt Judas die Frage, wie es wohl verlaufen wäre, wenn er sich diesem göttlichen Plan widersetzt hätte, wenn er gesagt hätte, nein Herr, das kannst Du von mir nicht verlangen, dass ich den ausliefere, dem ich mich verbunden fühle, den ich liebe, nein Herr, ich kann es nicht! Jesus wäre dem Tod entgangen, er wäre als alter, geachteter und weiser Zimnmermann eines natürlichen Todes gestorben und die Fragen von Schuld oder Unschuld oder Verrat hätten sich nicht gestellt.....
In seinem Monolog stellt Sebastian Aperdannier eine andere Sicht des Judas dar. Judas ist nicht der Verräter, sondern fester Pol in Gottes Rechnung mit der Menschheit. Judas ist nicht Gegenspieler, sondern Erfüllungsgehilfe seines Herrn, um das einzuleiten, was in der Schrift vorhergesagt worden ist.
Und doch bleiben seine Zweifel. Seine Angst, versagt zu haben, treibt ihn schließlich noch vor dem Tod seines geliebten Lehrmeisters  in den Hanf. Dort stirbt er einen einsamen und qualvollen Tod, in dem er  sich selbst die Schlinge um den Hals legt.
Die eindrucksvolle Darstellung von Sebastian Aperdannier erzeugt Betroffenheit, Beklemmung und Verstörtheit.  Doch sanft einsetzende Orgelmusik mit dem Choralvorspiel  „Ich ruf zu Dir Herr Jesus Christ“  von   J.S. Bach, gespielt von der Kirchenmusikerin Stella Seitz, nimmt die Gedanken auf und begleitet sie gefühlvoll.
Lang anhaltender Applaus für eine eindrucksvolle Leistung. Besonders als Sebastian Aperdannier in seinem Schlusswort die Frage nach Schuld oder Unschuld im Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingskrise stellt, wo jeder ganz schnell einen Verantwortlichen für dieses Drama findet.
Und wir, haben wir nicht alle auch und zu jeder Gelegenheit ganz schnell einen Sündenbock in der Tasche? War seine Frage zum Schluss.

Pressebericht


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