Die vier Evangelisten

Der große Flügelaltar der Pfarrkirche ist während der Fastenzeit geschlossen. Auf den jetzt sichtbaren großen Bildtafeln sind die Evangelisten Lukas, Johannes, Matthäus und Markus abgebildet.
Mitglieder des Seelsorgeteams unserer Pfarrei haben ihre Gedanken zu den Evangelien und ihren Verfassern niedergeschrieben.

 

Der Evangelist Lukas

Einer alten Tradition folgend stellen die Künstler Lukas mit dem Stier dar. Die Evangelistensymbole Mensch, Löwe, Stier und Adler stammen aus der altbabylonischen Mythologie, bevor sie bei Ezechiel und in der Offenbarung des Johannes erwähnt werden. Wie Matthäus lag auch Lukas das ältere Markusevangelium und eine Sammlung überlieferter Jesusworte vor. Wie Matthäus hat er aber auch Überlieferungen verarbeitet, die nur bei ihm zu finden sind. Dazu gehören die ausführlichen Geburtsgeschichten zu Jesus und seinem Vorläufer Johannes. Lukas war nach alter Überlieferung Arzt und Begleiter des Apostels Paulus auf seinen Missionsreisen. Er war in der griechischen Welt zu Hause, ist also nicht über das Judentum zum christlichen Glauben gekommen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn stellt er die bedingungslose Annahme des verirrten und schuldig gewordenen Menschen durch Gott dar. Der barmherzige Vater leuchtet auch in der Erzählung von einem Samariter auf, dessen Barmherzigkeit und Liebestat wichtiger sind als religiöse oder nationale Grenzen. Lukas ist auch die soziale Spannung zwischen Armen und Reichen durchaus bewusst. Er preist die Armen selig, nicht nur die Armen „im Geiste“, wie Matthäus es tut. Er mahnt, den Lebenssinn nicht im Überfluss zu suchen. Besitz und Vermögen sind vergänglich. Der reiche Kornbauer verliert in der Nacht sein Leben, bevor er die geplanten größeren Lagerhallen bauen kann.

Lukas ist auch poetisch begabt. Der Lobpreis Mariens, ihr „Magnifikat“, wurde zentraler Bestandteil der Vesper, der Lobpreis des Zacharias, sein „Benediktus“ wurde ein Kerntext der Laudes, das kurze Gloria („Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“) fand Aufnahme in den Liedschatz der Kirche, und der prophetische Lobpreis des greisen Simeon ging als Nunc dimittis in das Nachtgebet der Kirche, die Komplet, ein.
Da wir jetzt bald das Osterfest feiern, sei auch auf die Erzählung von den Emmausjüngern hingewiesen, mit der Lukas uns eine zentrale Botschaft für den Weg der Kirche durch die Zeit schenkt: Die Jünger sind traurig und desillusioniert, weil Jesus in Jerusalem gekreuzigt wurde. Sie hatten doch auf ihn gehofft! Doch beim Studium der Schrift und im Ritus des Brotbrechens findet persönliche Begegnung mit Jesus statt. Christliche Gemeinde erscheint so als lebendige Weggemeinschaft mit dem Auferstandenen, der nicht sichtbar und doch gegenwärtig ist.
Den Prozess der Gemeindebildung in der jungen Kirche beschreibt Lukas dann in seiner zweiten großen Schrift, der Apostelgeschichte.

Es lohnt sich also durchaus, die Evangelisten in ihrer Eigenart kennenzulernen.

Barthel Kalscheur, Pfarrer

„Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?“ (Lk 24, 32)

 

 

GEISTLICHE GEDANKEN ZUM JOHANNESEVANGELIUM

Um das Johannes-Evangelium als Ganzes zu verstehen, lohnt der Blick an dessen ursprünglichen Schluss in Kap.20 – Kap. 21 ist ein späterer Anhang der Herausgeber – Dort gibt der Evangelist Johannes das Ziel seines Evangeliums an: „… damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“ (20,31).

Es geht ihm darum, den Glauben an Jesus, den Messias und Sohn Gottes zu wecken und zu stärken. Dieser Glaube ist aber nicht Selbstzweck. Darum schreibt Johannes sein Evangelium: „Damit sie das Leben haben“. Jesus sagt von sich selbst: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben“ (10,10). Und es entspricht der Absicht Gottes: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (3,16).

Leben und Glauben sind eng aufeinander bezogene Zentralbegriffe des Johannes-Evangeliums. Das Entscheidende ist: Dieses Leben gibt es nach Johannes nur im Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes. Denn „in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ (1,4). Das ganze Johannes-Evangelium kreist um diese Erkenntnis. Daher auch die Unbedingtheit seiner Sprache, die oft harten, ausschließenden Formulierungen, wenn es um Glauben oder Nichtglauben geht (3,18-21; 12,37-50). Johannes will die Menschen unbedingt davon überzeugen, dass sie das Leben „in Fülle“ nur in diesem Jesus finden können, in der Entscheidung zwischen Leben und Tod (vgl. 5,24f.).

Wie sollen die Menschen diesen Glauben finden? Nicht durch eigenes Nachdenken oder Forschen, sondern durch die Offenbarung. Das ganze Wirken Jesu besteht darin, den Vater zu offenbaren. Weil er sich aber „eins mit dem Vater“ und sich „vom Vater“ gesandt“ weiß, ist dies im Grunde eine Selbstoffenbarung: „Wer mich sieht, sieht den Vater“, sagt Jesus auf die Bitte des Philippus: „Zeige uns den Vater“ (Kp. 14).

Im Aufbau des Evangeliums geschieht diese Offenbarung zunächst vor der Welt (Kap. 1-12) vor allem durch wunderbare Handlungen. Johannes nennt die Wunder Zeichen, weil sie Zeichen dafür sind, wie Gott ist. Der Blindgeborene z. B. (9,1-41) kann nicht nur wieder sehen, sondern erkennt auch immer mehr, wer Jesus Christus ist. Das zeigt er auch durch die sog. „Ich-bin-Worte“, wie z.B. „Ich bin der gute Hirt; Ich bin die Tür“, u.a. –

Im zweiten Teil des Evangeliums offenbart sich Jesus vor allem im Kreis der auserwählten Jünger (Kap 13-17) durch lange Reden. Aber erst, wenn der Paraklet, der Beistand, der Heilige Geist kommt, werden sie alles erfassen können.

Man könnte die beiden Teile des Evangeliums mit den Worten aus dem Prolog (1,1-18) überschreiben: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (1,11).

Die entscheidende Offenbarung aber sind Passion und Auferstehung (Kap 18-20). Das ganze Evangelium führt darauf zu. Immer wieder spricht Jesus von „der Stunde“, die „noch nicht da ist“, „die bald da ist“, „die jetzt da ist“. Jesus meint damit die Verherrlichung durch den Vater in der Passion und der Auferstehung. Nicht umsonst sind die letzten Worte Jesu am Kreuz: „Es ist vollbracht!“. 

Werner Laslop, Pastor

 

Der Evangelist Matthäus

Die Liebe leben

Die Liebe leben heißt:
Dunkelheit erhellen
Abgründe überwinden
neue Wege finden
Menschen miteinander verbinden

Die Liebe leben heißt:
Einsame herausholen
Entrechtete hereinnehmen
  mit den Armen teilen
zum Leben befreien

Die Liebe leben heißt:
seine Talente nützen
zum Dienst am Nächsten
sich einsetzen für andere
heißt: sich vergessen
um Jesu willen

 

Eine ganz schöne Zumutung, oder?

In den Texten des Evangelisten Matthäus scheint immer wieder durch, wovon er überzeugt ist: Jesus ist der Retter der Welt, auf den die Menschen damals so sehr gewartet haben.

Ja, Jesus ist derjenige, mit dem sich das Versprechen Gottes erfüllt hat. Er hat uns den wahren Maßstab für Gerechtigkeit gegeben: bedingungslose Liebe.

Matthäus erinnert uns daran, dass wir in der Nachfolge Jesu stehen und somit in seinem Sinne handeln und die Welt besser machen sollen.

Wie das aussehen kann, wird für jeden und jede von uns anders sein. Aber Jesus traut es uns zu!



Petra Roth, Pastoralreferentin

 

Der Evangelist Markus –  Jesus der Heiland

Gerade jetzt in der Coronapandemie werden wir indirekt oder manchmal auch ganz konkret mit Krankheit und Tod konfrontiert. Viele Menschen haben sich im Laufe des vergangenen Jahres mit dem Virus angesteckt und viele sind an oder mit ihm verstorben. Und wenn wir bisher vielleicht auch selbst von einer Infektion verschont geblieben sind, die Angst davor ist allgegenwärtig und jeder von uns kennt Menschen, die einen mehr oder weniger schweren Verlauf einer Coronainfektion durchgemacht haben oder gar daran verstorben sind.

Da liegt es nahe sich mit der Situation einer Erkrankung/einer Krankheit und dem eigenen Tod auseinander zu setzen. Die Frage nach Gott wird in diesen Situationen mitunter eine zentrale Frage. Und mit ihr die Frage nach Hoffnung auf Heilung, Trost und/oder ein Leben nach dem Tod. Beschützt Gott mich und meine Familie vor Erkrankung, Leid und drohendem Tod durch eine schlimme Krankheit? Wird Gott mir helfen wieder gesund zu werden, wenn ich erkrankt bin? Sieht Gott mein/unser Elend und greift er ein?...

Diese existenziellen Fragen des Lebens haben sich die Menschen schon immer gestellt. Auch zur Zeit Jesu. Die Evangelisten versuchen in ihrem Evangelium Antworten auf diese Fragen zu geben, indem sie Leben und Botschaft Jesu weitererzählen.
Der Evangelist Markus bewahrt in seinem Evangelium (dem Ältesten der vier Evangelien) nicht nur die (Lebens-)Geschichte Jesu, er deutet sie auch. Der irdische Jesus hat Zeit seines Lebens in seinen Wundertaten und Heilungen Gottes Macht erwiesen und die Fesseln des Todes gesprengt. In ihm ist die Heilkraft Gottes Mensch geworden und in seinen Heilungswundern erreichbar für alle Menschen.

Markus erzählt die meisten Heilungsgeschichten von allen Evangelisten. Diese sind unter anderem Folgende: Heilung von Besessenen: z.B. in der Synagoge von Kapernaum (Mk 1,21-27); in Gerasa (Mk 5,1-20); einen Knaben (Mk 9,14-21); Heilung von Menschen mit körperlichen Gebrechen: z.B. die Schwiegermutter des Petrus (Mk 1,30-31); einen Aussätzigen (Mk 1,40-41); Blinde in Betsaida (Mk 8,22-26) und bei Jericho (Mk 10,46-52); einen Taubstummen (Mk 7,31-37); einen Gelähmten (Mk 2,1-12)
Markus unterstreicht damit: Der Jesus, der damals heilte, wirkt immer noch heilend unter uns. Der Glaube an ihn wirkt schon Heil und Leben und ausgerechnet in Jesu Verlassenheit und Ohnmacht am Kreuz erscheint die Leid und Tod überwindende Kraft Gottes.

Markus möchte deutlich machen: Jesus ist der Heiland. Er entreißt die Menschen der destruktiven Gewalt böser Mächte von außen (Krankheit) und innen (Dämonen). Gegen die Angst setzt er Vertrauen, gegen die Verzweiflung Hoffnung, gegen Verletzung Heilung, gegen Hass Liebe, gegen Tod Leben. Das Evangelium des Markus ist eine Einladung an den Leser, den Weg Jesu nachzugehen, der alle dämonischen Mächte besiegt und die Menschen in die Freiheit und zum Heil führt.

Dieses Evangelium kann nur dann richtig begriffen werden, wenn es ausgehend von der Auferstehung Jesu gelesen und gelebt wird. Nur im Licht von Ostern ist es zu verstehen. Die Auferstehung ist der Schlüssel zu Jesu Leben, Reden und Handeln. Alles Leid der Welt in Krankheit und Tod wird in der Auferstehung gewandelt, weil Jesus dieses Leid mitgetragen hat; es hinaufgetragen hat an das Kreuz, um es in Leben und Heil zu wandeln.

Das Evangelium des Markus hat eine paradoxe Botschaft:

  • Obwohl Jesus machtvoll für die Menschen positiv eintritt, sie heilt  und sie begeistert, stirbt er am Kreuz.
  • Obwohl der schmachvolle Tod als Niederlage und Ende erscheint, ist er doch nur die Voraussetzung für den Sieg des Lebens über den Tod im Triumph der Auferstehung.
  • Ausgerechnet über den scheinbar von Gott verlassenen Mann am Kreuz ruft ein römischer Hauptmann aus, er sei wahrhaftig der Sohn Gottes.
  • Ausgerechnet die menschlich schwachen Jünger fordert Jesus zur Nachfolge auf.

Ebenso wie Jede und Jeden von uns…

Thomas Berger, Pastor

 


zurück
Scroll To Top