Ein ungewohnter Anblick...

... erwartet den Besucher in der Pfarrkirche St. Vincentius. 
Nicht das sonst seit vielen Jahren übliche "Hungertuch" verdeckt zur Fastenzeit die reiche Szenerie des großen Haupaltares, sondern auf den zugeklappten Außenseiten der Altartafeln sind die Bilder der vier Evangelisten zu sehen.
Eine erstaunliche, vielleicht neue Entdeckung!
 

Der Flügelaltar hat ausgeklappt eine Spannweite von 6,70 Metern. Ist der Altar geschlossen, sind die Evangelisten Markus, Matthäus, Johannes und Lukas abgebildet. Sie sitzen gemeinsam in einem mit schwarzen und weißen Platten ausgelegten Raum, vor einer Wand mit bleiverglasten Fenstern, auf einer mit Brokat-Teppichen ausgelegten Kirchenbank. Jeder ist in Gesichtsausdruck, Geste und Gewand eine Achtung gebietende Persönlichkeit. Ihre Attribute Löwe, Engel, Adler und Ochse sind ihnen beigegeben. (Willi Dittgen: Stationen, 1986)

 

Die Evangelien
Das Wort "Evangelium" kommt aus dem Griechischen (evangelion) und bedeutet "frohe Botschaft". Die vier Evangelien sind die zentralen Texte des Neuen Testaments und gleichzeitig die Quellen, die über Jesus berichten. Sie erzählen uns von der Geburt Jesu, von seinem Wirken, seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung.
 
Das Markus-Evangelium
Markus ist wahrscheinlich der erste Evangelist, der das Leben Jesu dokumentierte. Wie bei Matthäus geht die Forschung davon aus, dass das Markus-Evangelium etwa zu der Zeit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem entstand, also um 70 nach Christus niedergeschrieben wurde. Vermutlich entstammt Markus der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem und verfasste sein Buch in Rom.
Das Markus-Evangelium beginnt direkt mit dem Wirken Jesu, seine Geburt und Jugend überliefert Markus nicht. Im Zentrum des Evangeliums stehen die Erzählungen vom Tod und der Auferstehung Christi und ein Großteil der Schrift ist der Passion, dem Leiden Christi, gewidmet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Matthäus-Evangelium
Das Matthäus-Evangelium steht an erster Stelle, da lange Zeit angenommen wurde, dass es das älteste Evangelium ist. Heute sind die meisten Bibel-Forscher jedoch der Meinung, dass das Markus-Evangelium noch vor dem Matthäus-Evangelium niedergeschrieben worden ist.
Das Matthäus-Evangelium entstand um das Jahr 80 nach Christus. Matthäus war möglicherweise ein uns nicht näher bekannter jüdisch-christlicher Lehrer, wahrscheinlich war er ein Schüler der Apostel. Das uns überlieferte Evangelium wurde auf Griechisch abgefasst und nutzte darüber hinaus das Markus-Evangelium als Vorlage. Es bediente sich auch eines weiteren Textes, von dem andere Evangelisten ebenfalls Kenntnis hatten. Quelle Q wird diese Vorlage der kanonischen Evangelien genannt, leider ist sie uns nicht erhalten geblieben. Matthäus legt Wert auf die Interpretation der Gestalt Christi als Messias, den Erlöser Israels, der sich den Menschen in der Tradition der Prophezeiungen des
Alten Testaments offenbart. Matthäus geht auf den Stammbaum Jesu ein, außerdem erzählt er dessen Kindheitsgeschichte.
 
 
 
Das Johannes-Evangelium
Das vierte und letzte Evangelium ist das Johannes-Evangelium, das etwa um 100 nach Christus entstand, vermutlich in Ephesus, der heutigen Türkei. Das Johannes-Evangelium unterscheidet sich ganz erheblich von den drei übrigen synoptischen Evangelien. Es wird auch das "pneumatische" Evangelium, das Evangelium des Geistes, genannt, weil es im Vergleich zu den anderen Schriften am häufigsten vom Heiligen Geist spricht. Tatsächlich fehlen in der Schrift viele der Ereignisse, die bei den Synoptikern zur Sprache kommen. Während bei Markus, Matthäus und Lukas die Erzählung abwechslungsreich und der Handlungsverlauf von Aktivität gekennzeichnet ist, wird das Johannes-Evangelium durch einen kontemplativen, meditativen Ton geprägt, in dem die Belehrungen und Reflexionen Jesu im Vordergrund stehen.
Das Johannes-Evangelium beginnt die Jesusgeschichte mit der Erzählung seiner Taufe. Wie schon Markus erwähnt auch Johannes die Geburt Jesu mit keinem Wort.
 
 
 
 
 
Das Lukas-Evangelium
Lukas war wahrscheinlich Arzt. Er trat mit dem Anspruch auf, einen Tatsachenbericht zu verfassen und die Geschichte Jesu wahrheitsgemäß wiederzugeben. Er wollte die Verkündigung der frohen Botschaft historisch und theologisch zuverlässig überliefern und berief sich auf Augenzeugen zurückgehender Überlieferungen. Die Forschung geht davon aus, dass Lukas und Matthäus unabhängig voneinander das Markus-Evangelium und "Q" als Quelle benutzt haben. Darüber hinaus haben beide noch andere mündliche und schriftliche Überlieferungen in ihre Evangelien eingebaut. Aufgrund der vielen teils wörtlichen Gemeinsamkeiten spricht die Forschung bei den drei Evangelisten von den Synoptikern (Synopsis, griechisch:"Zusammenschau"). Das Lukas-Evangelium datiert aus der Zeit 80 bis 90 nach Christus und ist vermutlich in Kleinasien, der heutigen Türkei oder Griechenland entstanden. Es schildert in allen Einzelheiten die Geburt Jesu. Die Erzählung der Weihnachtsgeschichte, wie wir sie kennen, entnehmen wir dem Lukas-Evangelium.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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