Neujahrsempfang 2019

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Gemeinden, liebe Gäste!

Auch im letzten Jahr, wie in den Jahren zuvor, hatten wir personelle Veränderungen. Ich erinnere an den Weggang von Pater Shajers nach Gütersloh im Oktober und Pater Prasad in seine indische Heimat im Dezember; aber auch an den Neuzugang von Pastor Thomas Berger, der unser Seelsorge-Team seit September unterstützt und, wie ich finde, einen prima Start hatte.

 

 

 

In der Summe sind es jetzt vier Priester, die Pastöre Werner Laslop und Thomas Berger, Pater Samuel und ich, die zusammen mit den Pastoralreferenten Mareike Schraut, Petra und Franz Josef Roth nebst unserem Assistenten Niels Ketteler und den Diakonen mit Zivilberuf, Andreas Brosthaus und Michael van Meerbeck, als Seelsorgerinnen und Seelsorger in unserer Großpfarrei Dienst tun. In unseren Krankenhäusern möchte ich natürlich auch Schwester Johanne und Adolfo Terhorst nicht unerwähnt lassen, die in ganz eigenen Welten unterwegs sind. Trotz geringerer öffentlicher Wahrnehmung begleiten sie die Krisenregionen des Lebens und tun damit etwas ganz Wesentliches. Sie machen den Auftrag von Kirche deutlich, vor allem dort Hilfe anzubieten und Nähe zu zeigen, wo das Leben nicht rund und glatt läuft, sondern an seine Grenze stößt und uns Fragen stellen lässt, die wir sonst gerne verdrängen.

Auch unsere Sakristane möchte ich erwähnen wie auch die Kirchenmusiker, die Honorarkräfte und namentlich Friedrich Barnscheidt, der für Gottes Lohn die Orgel spielt. Die Damen in unseren Pfarrbüros verrichten auch dann noch ihren Dienst, wenn sie aus der Sonntagsruhe gerissen werden, um sich viele Stunden mit der Aufarbeitung eines Einbruchs zu beschäftigen!

Wenn ich schon beim Danken bin, so möchte ich auch unseren emeritierten Diakon Bernhard Groß nennen. Trotz angeschlagener Gesundheit ist er mit hellwachen Sinnen sehr präsent und mit seinen klaren Meinungen eine Bereicherung für unser Team.

Danken möchte ich als Pfarrer aber auch den Sprechern unserer Gemeindeausschüsse und allen, die in unseren Gremien, im Pfarreirat und im Kirchenvorstand, einen Einsatz zeigen, der manchem Profi gut zu Gesichte stünde. Was da an schwierigen Personal-, Bau-, Liegenschafts- und Rechtsfragen zu klären und zu entscheiden ist, wissen, glaube ich, nicht viele. Eine höhere Wahlbeteiligung hätten sie alle hochverdient! Im Kirchenvorstand sind wir alle auch dankbar für die spürbare Entlastung durch unsere Verwaltungsreferentin Christiane Böckenberg aus der Zentralrendantur, die mit Sachkenntnis, Fleiß und Ruhe immer wieder Wege findet, Lösungen zu entwickeln.

Neben den in die Gremien Hineingewählten sind noch viele andere Personen in unseren Gemeinden ehrenamtlich tätig, Junge und Ältere, die ich hier jetzt namentlich nicht aufführen möchte. Zu groß wäre die Gefahr, jemanden zu vergessen! Stellvertretend für sie alle wird unser Weihbischof Rolf Lohmann am 15. März Theo Brosthaus das Verdienstkreuz „Pro ecclesia et pontifice“ (für Kirche und Pontifex, also den Papst) überreichen.

Eingangs sprach ich von personellen Veränderungen, die natürlich auch Konsequenzen haben werden. Vor allem kann ein Weniger an Priestern nicht bedeuten, dass die Zahl der Messfeiern am Samstag und Sonntag, aber auch an den Wochentagen, einfach fortbesteht.

Ich möchte es einmal so formulieren: Veränderungen sind schön und gut, solange alles so bleibt wie es ist!

Über diesen Spruch schmunzeln wir natürlich, aber er zeigt doch, dass wir bei Veränderungen gerne ausblenden, dass es auch uns persönlich betreffen könnte. Die meisten Gottesdienstbesucher haben „ihre“ Zeit für den Kirchgang, und die meisten werden ihre Gewohnheiten auch nur geringfügig oder gar nicht umstellen müssen. Aber es werden zwei Vorabendgottesdienste entfallen, und die Struktur der Sonntagsgottesdienste wird sich verändern. Sie muss so gestaltet werden, dass am Samstag und Sonntag ein Priester auch einmal mit einer Gruppe unterwegs sein kann und ein zweiter durch Krankheit ausfällt. Auch an den Wochentagen wird weiterhin in allen Kirchen die Eucharistie gefeiert, aber nicht mehr im gewohnten Umfang. Wer die Entwicklung der Gottesdienstbesucherzahlen nüchtern betrachtet, wird auch aus anderen Gründen eine Anpassung der Gottesdienstordnung für sinnvoll erachten. Mit dem neuen Haus Curata in Hiesfeld sind es inzwischen neun Altenpflegeheime, die seelsorglich betreut werden. Die Zahl der jährlichen Beerdigungen geht auf dreihundert zu und gut gestaltete Schulgottesdienste bedürfen einer intensiveren Vorbereitung als zu den Zeiten, wo vieles noch vorausgesetzt werden konnte und in vorgestanzten Bahnen verlief.

Ein anderer Punkt, wo Veränderungen noch auf eine konkrete Gestalt warten, ist der Umbau des Johannahauses, der sich ja deutlich verzögert hat. Eine sinnvolle Verzögerung, denn „gut Ding braucht Weile!“. Wenn das Haus laut Pastoralplan zu einem KGL werden soll, zu einem Katholischen Glaubens- und Lebenszentrum, dann reicht nicht ein einziger Entwurf. Es hat sich gezeigt, dass nur durch Austausch und Gespräch auf ganz verschiedenen Ebenen eine gute Planung möglich ist. Ich rufe beispielhaft noch einmal in Erinnerung, was im Haus möglich sein soll:

- Ehe-, Familien- und Lebensberatung
- Begegnung und gemeinsames Essen (Bistro, Café)
- Vermittlung schneller praktischer Hilfe; Vernetzung von Sozialstellen
- Ökumene und interreligiöser Dialog
- Treffpunkt der Jugend
- Büros und Besprechungsräume für Seelsorger/innen
- Spiritualität (Meditationsraum)
- Christliche Verkündigung (Glaubenskurse, offene Bibliothek)
- Eine Welt Laden (nur angedacht, noch nicht besprochen)

Übrigens können Sie mit uns, den Seelsorgern und den Gremien, über die neue Gottesdienstordnung und den Planungsstand Johannahaus bei einer Pfarrversammlung am 25. Februar ins Gespräch kommen.

Es gibt sicher einige, die sagen: Genug der Diskussionen! Wo ist einer, der endlich mal sagt, wo es lang geht?
Andere halten dagegen: In schwierigen Zeiten muss viel gesprochen und beraten werden. Das gehört auch zum „Kulturwandel im Bistum Münster“, von dem unser Bischof spricht.

Ich denke, dass eine Verbindung beider Standpunkte bedeuten würde:
Sich austauschen, eine Entscheidung treffen, ihre Tragfähigkeit und ihre Folgen prüfen, neu miteinander sprechen, modifizieren, evtl. korrigieren, neu entscheiden, wieder evaluieren usw.
Es ist ein lebendiger, nie wirklich zu Ende gehender Prozess. Die Halbwertzeit mancher Entscheidung und Festlegung ist heute sicher kürzer als früher. Das liegt aber auch daran, dass sich viele Dinge in unserer Zeit rasant entwickeln und wir mit unserem Reflektieren und Planen kaum nachkommen.

Ein Wort noch zur Ökumene: Es wird weiterhin herausgehobene Zeiten für ökumenisch vorbereitete und durchgeführte Gottesdienste geben. Das gilt besonders für Gedenkfeiern, die alle betreffen, für gemeinsame Trauungen, für Gottesdienste zu Ostern und Weihnachten in den Pflegeheimen, zum Erntedank und für das gemeinsame Gedenken der im Jahr verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohner. Das gilt weiterhin für Einschulungs- und Entlassgottesdienste und vieles mehr.
Kreativität ist gefragt!
Der wichtigere Teil der Ökumene scheint mir aber der im Alltag gelebte zu sein. Das ist dort, wo Christen verschiedener Konfession in ihrer Ehe, im Lehrerkollegium, in den Kitas, am Arbeitsplatz und in der Freizeit deutlich machen, was sie glauben, hoffen und lieben, - nicht plakativ und apologetisch, sondern freundlich, zugewandt, ehrlich und gewinnend. Das Problem der Ökumene ist nicht, in einer konfessionell geprägten Tradition zu stehen. Im Gegenteil! Gespräch setzt Identität voraus. Das größere Problem für echte Ökumene ist die Erosion des Glaubens überhaupt, die Auflösung des Christlichen, der Verlust von Profil und Struktur. Darum muss auch in der Ökumene das Profil geschärft werden. Zu einer guten Gesprächskultur gehören auch die Inhalte. Sie dienen der Selbstvergewisserung und machen einen Dialog erst möglich.

Liebe „Neujahrsleute“!
Was immer in dem nun schon 20 Tage alten Jahr an Herausforderungen auf uns zukommt; welche Entscheidungen es auch zu treffen gilt: Wir sollten nie vergessen, dass es viel Gutes und über lange Zeit Gewachsenes gibt. Wir sollten daher Kassandra-Rufe, die uns vor irgendwelchen Gefahren warnen, gelassen prüfen, ohne in Panik zu verfallen. Wenn unser Standbein auf sicherem Grund steht, können wir mit dem Spielbein verschiedene Schritte austesten, ohne gleich umzufallen.

Glauben heißt nämlich nicht nur „bewahren“, sondern auch „wagen“!

Ein Neujahrsempfang sollte im Übrigen nicht nur problematisieren und anstrengende Gedanken produzieren, sondern auch der Lockerung und der Zuversicht dienen.

Darum möchte ich an den Schluss eine schöne Begebenheit aus dem Leben des Mönchsvaters Antonius im dritten Jahrhundert stellen. Sein Gedenktag war vor wenigen Tagen.

Ein Jäger mit Pfeil und Bogen, der in der Wüste nach wilden Tieren Jagd machte, beobachtete eines Tages, wie Altvater Antonius mit seinen Brüdern Kurzweil trieb. Sie lachten und hatten viel Spaß miteinander.
Darüber ärgerte er sich; hatte es doch nichts mit seiner Vorstellung von diesem heiligen und strengen Mann zu tun!
Antonius versuchte nun, seinem Kritiker etwas klar zu machen. Er sprach zu ihm: „Lege einen Pfeil auf den Bogen und spanne!“ Er machte es so. Da sagte er zu ihm: „Spanne noch mehr!“ Und er spannte. Abermals forderte er ihn auf: „Spanne!“ Da antwortete ihm der Jäger: „Wenn ich über das Maß spanne, dann bricht der Bogen“.
Da belehrte ihn der Mönchsvater: „So ist es auch mit dem Werk Gottes. Wenn wir die Brüder übers Maß anstrengen, versagen sie schnell. Man muss ihnen ab und zu entgegenkommen“.

Ich denke, die Botschaft ist klar: Bei allem, was wir erstreben, vorantreiben, planen und forcieren, sollten wir den Bogen nicht überspannen!

Der Spruch „Immer schön locker bleiben“ hat es bereits zum Buchtitel gebracht. Die Autorin ist Psychotherapeutin und kümmert sich um die Bewältigung chronischer Schmerzzustände, von Tinnitus, Suchtproblemen, Stress- und Burnout-Syndromen.

Soweit wollen wir es gar nicht erst kommen lassen!

Darum erlaubt mir eines: dass
ich erhebe nun mein Glas,
um mit Kleinen und mit Großen
nicht nur gedanklich anzustoßen.

Wir helfen uns und woll’n uns stützen -
Prosit Neujahr! Es möge nützen!

Fotos

 


 

 

 

 


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