Der starke Gott und der schwache Mensch

 – so denken wir im Normalfall. Aber Gott hat auch eine Schwäche - eine Schwäche für den Menschen. Er denkt ihn nicht klein und schwach; er denkt groß von ihm. Schon auf den ersten Seiten der Bibel wird der Mensch als „Bild Gottes“ bezeichnet und Paulus nennt die Korinther trotz ihrer Streitigkeiten „Geheiligte in Christus“ und „berufene Heilige“. Um uns für seine Sicht des Menschen zu öffnen, verzichtet Gott auf Allmacht und Selbstbehauptung. Er schont die Sünder und will durch Jesus Christus das Herz des Menschen gewinnen. Von ihm sagt Paulus: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“ (Phil 2)

Der Weg der „Entäußerung“, der in der Krippe beginnt, endet am Kreuz. Wie können dann Menschen Gott auf die Anklagebank setzen, wenn es in ihrem Leben nicht so läuft wie erhofft und vielleicht auch erbittet. Wenn ein Betrunkener mit seinem Wagen Jugendliche in den Tod reißt, wenn ein schizophrener Mensch eine Frau vor den Zug stößt, wenn in meinem Haus eingebrochen wird, obwohl ich doch Sicherheitstechnik eingebaut hatte, wenn ich nicht rauche, mich gesund ernähre und dennoch schwer erkranke – wann immer Dinge geschehen, die nicht geschehen dürften und die uns maßlos überfordern, dann will Gott ein verstehender und mitleidender Gott sein. Im Evangelium an diesem Sonntag nennt Johannes Jesus das „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“. Im Opferkult am Tempel wurden die Lämmer geschlachtet, um Gott zu beschwichtigen. Der aber hatte schon im Alten Bund kein Gefallen an Brand- und Schlachtopfern ohne Herzensbeteiligung. Er selbst wird darum ein Lamm, ein Opfer des Menschen, ein Opfer der Geschichte. Er solidarisiert sich mit allen Leidenden, um so das Herz des Menschen zu gewinnen. Er überwindet die Sünde, die Selbstdistanzierung des Menschen von Gott, durch das Geschenk einer unfassbaren Nähe.

Barthel Kalscheur, Pfarrer

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Der starke Gott und der schwache Mensch - Pfarrer Barthel Kalscheur

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