(Kirchen-)Kunst im Monat Mai 

Warum hängt die Sandale so locker am Fuß des Jesuskindes?

Wer dieses Detail auf der Ikone der „immerwährenden Hilfe“ entdeckt, ist schon mitten in der Geschichte, von der die Ikone erzählt. Das bereits etwas größere Jesuskind ist beim Spielen, als plötzlich Engel erscheinen. Oben im Bild sind sie zu sehen – und sie zeigen ihm die Marterwerkzeuge: Kreuz und Speer, Zeichen seines künftigen Leidens und Sterbens.
Jesus versteht, was die Engel ihm zeigen. In Angst und Panik läuft er zu Maria – so hastig, dass sich eine Sandale löst. Doch er hält nicht inne. Erst im Schoß seiner Mutter findet er Halt, kommt zur Ruhe und wagt es, noch einmal zu den Engeln aufzublicken. Diesen Moment zeigt die Ikone.

In Todesangst – der tiefsten Angst des Menschen – findet Jesus Trost im Schoß des Menschen, aus der das Leben erhalten hat. Das Bild deutet an: Das Leben ist stärker als der Tod. Im Schoß des Lebens finden wir die Kraft, Angst auszuhalten und uns dem Leben zuzuwenden, ohne das Schwere zu verdrängen.

So spricht dieses marianisch-österliche Kunstwerk vom Versprechen des Glaubens: dass die Lebenskraft, von Gott gewollt, auch den Tod überdauert – in uns, für uns und für alle Menschen.

Die Bild lädt dazu ein, betrachtet zu werden und ins Fühlen zu kommen – in das Fühlen von Angst und Gehaltensein. Die Ikone hängt im Eingangsbereich der Kirche St. Johannes in Eppinghoven, die tagsüber geöffnet ist.

Pfr. Andreas Fink