Geschichte

Angefangen hatte das alles 1992. Damals, kurz nach der Wende und dem Ende der Ceausescu-Ära, hatten mehrere Pfarrer aus dem Bistum Iasi (sprich Jasch, ungarisch Jassy) im Osten Rumäniens die Neugierde Pfarrer van Doornicks und seiner Gemeinde Heilig Blut in Dinslaken geweckt. Kurzentschlossen machte sich im Sommer 1992 eine kleine Gruppe aus Dinslaken mit einer Mischung aus Wiedersehensfreude und Abenteuerlust auf den 2.200 km langen Weg über Wien, Budapest und Klausenburg (Cluj) hinter die Ost-Karpaten nach Iasi an die moldawische Grenze.

Im Priesterseminar der Stadt gab es zu ihrer großen Verblüffung eine Gruppe Studenten, denen es eine Freude war, ihnen in deutscher Sprache die Schönheiten der Stadt zu zeigen. Sie ahnten da noch nicht, daß dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden sollte …

Bei ihrer Rückkehr nach Dinslaken erzählten sie von ihren unglaublich vielfältigen Eindrücken. Sie hatten sowohl großartige Gastfreundschaft wie auch vielfach große Armut erlebt. Und sie waren mehrfach Menschen in den Gemeinden begegnet, die die Hoffnung nicht aufgaben, sondern die Chance des Aufbruchs nutzen wollten. So entstand die Idee, geeignete und nachhaltige Hilfsprojekte zu suchen und sie von Dinslaken aus regelmäßig zu unterstützen.

Einen Masterplan für solche Dinge gab es seitens des Bistums Iasi damals noch nicht; darauf waren sie nicht vorbereitet, daß die politische Großwetterlage ihnen nach den langen Jahren der Diktatur so plötzlich so viele Möglichkeiten in Freiheit bieten würde. Deshalb gab es am Anfang noch keine umfänglichen Erfahrungen mit nachhaltiger Projektarbeit; vielmehr versuchte jede Kirchengemeinde und das Bistum selbst die nach ihrer Meinung sinnvollen Projekte zu bauen und auf den Weg zu bringen.

In dieser unklaren Zeit war es anfangs auch für den Rumänienkreis aus Dinslaken nicht ganz leicht, kompetente und erfahrene Partner für nachhaltige Hilfsmöglichkeiten möglichst basisnah zu finden.

Sehr hilfreich war da die Zusammenarbeit mit dem Malteser-Hilfsdienst. Und bald auch die Gruppe junger deutsch sprechender – inzwischen - Kapläne aus dem Priesterseminar in Iasi, die beim ersten Besuch die Freunde aus dem fernen Dinslaken kenntnisreich durch „ihre“ Stadt Iasi geführt hatte: Ihnen hatte der Bischof nur wenige Jahre später verantwortungsvolle Aufgaben übertragen. Überraschenderweise kannte man sich: die jungen Geistlichen ehemals aus dem Priesterseminar und die Freunde aus Dinslaken!

Zum Beispiel der Kaplan Claudiu Istoc. Sein Auftrag vom Bischof lautete: Er sollte – egal wie – in Roman einen Caritasverband gründen und aufbauen. Mit ihm und diesem Projekt hatte der Rumänienkreis Dinslaken 1997 die richtige Aufgabe gefunden, die Nachhaltigkeit und Effizienz beinhalteten.

Zunächst konnte Kaplan Claudiu ein Grundstück im Stadtzentrum finden und erwerben. 2 baufällige kleine Gebäude wurden abgerissen, der ordentlich geplante Neubau eines Caritaszentrums an dieser Stelle konnte beginnen. Auch Handwerker aus Dinslaken waren in mehrwöchigen ehrenamtlichen Einsätzen an der Errichtung des Gebäudes beteiligt, das von vornherein nach gutem deutschen Standard gebaut wurde und das nach wie vor bautechnisch als eines der besten in der Stadt gilt.

Im Haus sind wichtige Einrichtungen untergebracht: die Sozialstation für wöchentlich 200 Patienten, eine Armenapotheke, eine Zahnarztpraxis, Räume für Physiotherapie und Gymnastik zur Rehabilitation nach Operationen, eine große Küche als Gemeinschaftsraum für das 20-köpfige Team, 2 Gästezimmer und einige Büroräume für Einzelgespräche mit den Hilfesuchenden und die Verwaltung.

Für einige Freunde aus dem Rumänienkreis ist diese Einrichtung inzwischen schon fast wie ein zweites Zuhause geworden. Regelmäßige Besuche dort vertiefen die Kontakte, erneuern die Freundschaft und informieren über den Fortschritt und die aktuelle Situation.

Zuletzt wurde nahe Roman das Frauenhaus des Caritasverbandes weiter entwickelt und räumlich erweitert. Es ist das einzige seiner Art weit und breit und bietet 10 Frauen mit ihren Kindern den erforderlichen Schutz, um alles das zu lernen, was sie für ein selbstbestimmtes Leben benötigen, angefangen von Kinderpflege über Kochen, Haushaltsführung, berufliche Ausbildung, Selbstbewusstsein, bis hin zu Gemüseanbau im Garten und die Haltbarmachung für den Winter. Alles müssen und können sie selber machen, um lebenstüchtig zu werden. Einige von ihnen haben ihre Kindheit in den berüchtigten Kinderheimen Ceausescus verbracht und erhalten hier die Chance auf eine eigene Existenz.
Ein tolles Projekt!
 

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