Hl. Blut Kirche

Im Dinslakener Bruch setzte nach dem zweiten Weltkrieg beiderseits der Landstraße nach Wesel (heute: B8) eine stärkere Besiedelung ein. Immer mehr katholische Christen zogen in den wachsenden Stadtteil. Im Jahr 1953 begannen die Planungen eine eigene Kirche dort zu errichten. 1965 wurde das seelsorglich selbständige Pfarrektorat von St. Vincentius abgetrennt. Bischof Joseph Höffner weihte die neu errichtete Pfarrkirche am 5. September 1965 auf den Namen „Heilig Blut“. Die Pfarrerhebung erfolgte 1966. Pastor Heinrich Küsters hatte mit Unterstützung vieler Menschen seiner Gemeinde Heilig Blut die Kirche, das Pfarrheim, den Kindergarten und das Pfarrhaus gebaut. Seine Handschrift trug u.a. auch der theologische Entwurf der Heilig Blut Kirche, die ausgehend vom II. Vatikanischen Konzil Kirche als „Volk Gottes unterwegs“ vergegenwärtigte.

1989 übernahm Theo van Doornick die Nachfolge von Heinrich Küsters. Rund 50 Jahre nach der Einweihung der Pfarrkirche, am 31. Oktober 2005, endete die kurze Geschichte der Pfarrgemeinde Heilig Blut. Sie wurde aufgelöst und zusammen mit den ebenfalls aufgelösten Nachbargemeinden St. Johannes und St. Vincentius zur neuen Pfarrgemeinde St. Vincentius zusammengeschlossen. Nach der Emeritierung von Pastor Bernhard Kösters übernahm der ehemalige Pastor von Heilig Blut – Theo van Doornick – als Pfarrer die Leitung der neue Gemeinde St. Vincentius.

Am 21. Juni 2009 wurde in der Heilig Blut Kirche der letzte Gottesdienst gefeiert. Für viele Gläubige eine Herzensangelegenheit. Die Heilig Blut Kirche war voll besetzt, viele Gläubige fanden keinen Platz. Sie verfolgten einen emotionalen und sehr festlichen Gottesdienst.  Schon der Einzug mit den mehr als 60 Messdienern, Bannerträgern und den Geistlichen war ein bewegender Moment. Damit begann der letzte Gottesdienst in der Geschichte des fast 44 Jahre alten Gotteshauses. Domvikar Stefan Sühling betonte in seiner Predigt, dass der Glaube nicht allein an Kirchengebäuden festgemacht werden kann. “Kirche ist nicht Kirche, weil sie Kirchengebäude hat”, sagte Sühling, “zeitgebunden hätte sie Gestalt in Kirchen wie dieser gefunden”. Dennoch vergaß Sühling nicht, dass die Heilig Blut Kirche für viele Menschen zur Heimat geworden ist. “Die Erinnerungen werden schmerzlich bewusst bleiben – Erinnerungen an die eigene Eheschließung, die Taufe der eigenen Kinder, Erinnerung an Erstkommunion, Firmung und die zahlreichen Eucharistiefeiern, die sie in dieser Kirche gemeinsam mit anderen Christen gefeiert haben”, sagte der Domvikar. Nach der letzten Eucharistiefeier begann die eigentliche Profanierungszeremonie. Sühling verlas das Profanierungsdekret, welches die Profanierung der Heilig Blut Kirche besiegelte. Die Urkunde hatte damals der Diözesan-Administrator Franz-Josef Overbeck unterzeichnet, bevor Felix Genn das Amt des Bischofs für das Bistum Münster übernahm. Während der anschließenden Litanei, einem wechselseitig gesprochenen Gebet, löschten Messdiener die Kerzen in der Kirche.

Pfarrer Theo van Doornick deckte während dessen den Altar ab, übergab den Messdienern und Klerikern die für die Gottesdienste benötigten Gegenstände wie Kelche und Schalen. Die im Altar eingelassenen Reliquien des afrikanischen Heiligen Karl Lwanga wurden entnommen und in ein Reliquiar gelegt. Die Hostien wurden dem Tabernakel entnommen und in einen Kelch gegeben. Die Gläubigen – manche mit Tränen in den Augen – brachen dann zur Prozession in die Pfarrkirche St. Vincentius auf. Manche Gemeindemitglieder blieben in dem sich leerenden Kirchenraum sitzen, nahmen auf ganz persönliche Weise Abschied von “ihrer” Kirche. Mit Gesängen und Gebeten zog der Großteil der Gemeinde durch die Stadt, vorneweg die Geistlichen, unter ihnen auch Dechant Josef Leenders und Pfarrer Dr. Frank Hartmann von der evangelischen Friedenskirche. Nach dem liturgischen Abschluss in der St. Vincentius Kirche blieben auf dem Johannahausplatz die Mitglieder der Pfarrgemeinde noch lange zusammen. An der Stelle der Heilig Blut Kirche wurde eine neue Kindertagesstätte mit angebundenem Gemeindezentrum für die Einwohner, Verbände und Gruppen der Gemeinde errichtet. Im Gemeindezentrum feiern wir regelmäßig zweimal in der Woche die Heilige Messe.

Zum 1. Juli 2012 fusionierten alle bisherigen Pfarreien in Dinslaken. Damit entstand eine Pfarrei mit sieben Gemeinden. Pastor Gregor Kauling wurde vom Bischof zum leitenden Pfarrer ernannt.

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