Erstkommunion 2018

"The same procedure as last year? – The same procedure as every year!”
Was uns aus “Dinner for one” bekannt vorkommt, könnte auch auf die jährliche Vorbereitung der Kinder auf ihre erste heilige Kommunion zutreffen. Aber doch nicht ganz! Denn wir Seelsorger und die Engagierten im Leitungsteam spüren eine deutliche Verschiebung in den Jahren: 

 

Die Kinder sind immer weniger christlich vorgeprägt, das Kreuzzeichen ist nur einigen vertraut, Gebete sind kaum geläufig, unsere Kirchen sind manchen nur von außen bekannt und religiöses Basiswissen darf nicht vorausgesetzt werden. Gleichzeitig aber sind die meisten Familien sehr auf den Tag X fokussiert, der in ihren Planungen eine wichtige Rolle spielt. Der Tag der Erstkommunion ist auch für jene ein gesellschaftliches Ereignis erster Güte, die ansonsten nur noch wenig mit der Kirche verbindet. Kleid oder Anzug, Tisch-Deko und Menü-Folge, Geschenke und lückenlose Foto-Dokumentation sind absolut wichtig. Man kann sagen, es handelt sich um eine Verschiebung von innen nach außen, vom Inhalt zur Form, vom Sein zum Design. 
Aber Vorsicht! 
Die alten Fragen sind immer noch da. Woher komme ich? Wer bin ich? Was darf ich vom Leben erwarten? Wohin gehe ich? In vielen Seitengesprächen spüren wir Seelsorger eine Sehnsucht nach verlässlichen Auskünften über den Sinn des Lebens. Im Blick auf ihre Kinder wollen sich manche Eltern nicht einfach zufrieden geben mit einer rein materialistischen Sicht des Lebens, mit Statussymbolen, der Nutzung von sozialen Medien als Selbstzweck und Lebensentwürfen, die sich nur noch reaktiv am Arbeitsmarkt und den beruflichen Aussichten orientieren. Sie suchen mehr, ohne genau in Worte fassen zu können, was. 
Die Leitfrage der diesjährigen Vorbereitung, das Wort aus dem Johannesevangelium „Jesus, wo wohnst du?“, darf als Einladung zu einer ehrlichen Suche verstanden werden.
Aus diesem Grund sind wir dazu übergegangen, Kinder und Eltern stärker gemeinsam anzusprechen. Nur über Austausch und Gespräch kommen wir zu mehr Beteiligung und Identifikation. Wir können durchaus davon berichten, wie sehr sich manche Eltern dadurch auch mit ihren Zweifeln und Fragen ernst genommen fühlen und durch die persönliche Art der Katechese berührt werden.
Vom 29. April bis zum 13. Mai finden für die etwa 150 Kinder in Dinslaken acht Erstkommunionfeiern statt.
In den nächsten Jahren werden wir uns noch stärker darum bemühen, das Geheimnis der christlichen Botschaft so zu vermitteln, dass die Herzen berührt werden. Das scheint uns die wichtigste Voraussetzung zu sein, um die Bereitschaft zu wecken, sich auf eine Vertiefung des Glaubens einzulassen.   
Authentizität und Kreativität werden gleichermaßen gefordert sein.
Barthel Kalscheur, Pfarrer

 


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