Wo mir Gott aufgegangen ist

Als Frühaufsteher genieße ich vor allem jetzt im Frühling die aufgehende Sonne. Und obwohl ich das schon zigmal gesehen habe, ist es doch immer wieder ganz neu. Einfach faszinierend!
Der Gang in den Morgen macht mir etwas deutlich. Nämlich, dass ich nicht sagen kann, wer Gott ist. Das kann keiner, nicht einmal der Papst. Sagen kann ich vielmehr nur, wo mir Gott aufgegangen ist. Wie die Sonne am Morgen. Denn in Wirklichkeit ist die Sonne ja gar nicht aufgegangen. Die Erde hat sich gedreht, mehr nicht. Aber ich empfinde das Ganze als Sonnenaufgang. Ich habe eine Erfahrung gemacht. Und diese Erfahrung fasse ich in Worte. Ich spreche aus, was ich empfinde. Aber die ganze Wirklichkeit kann ich nicht erfassen.
In früheren Zeiten dachte man, Gott sei genau in Begriffe zu fassen. Man meinte: Wenn Gott uns das Denken gegeben hat, dann muss er auch zu denken sein. Heute weiß jeder, dass man Gott nicht beweisen kann.
Es gibt gute Gründe zu glauben, Hinweise vielleicht, aber keine Beweise. Man ging früher auch anders mit der Bibel um. Man meinte, dass sie wortwörtlich vom Heiligen Geist diktiert sei. Heute weiß jeder, dass die Bibel in einem langen historischen Prozess entstanden ist. Und deshalb der Auslegung bedarf.
Beides - das Denken und die Bibel - können sich Gott nicht direkt nähern, denn Gott ist der ganz andere. Mein Sprechen von ihm ist deshalb bildhaft: Ich kann nur sagen, wo mir Gott aufgegangen ist. Wie beim Sonnenaufgang: Jeder weiß, dass die Erde sich dreht, und dass deshalb die Sonne nicht aufgeht. Aber dennoch empfindet man es so, als ginge die Sonne auf. Und deshalb spricht man darüber, ist fasziniert davon.
Selbst Jesus hat von Gott nur in Bildern sprechen können: Er hat ihn Abba, lieber Vater, genannt. Damit wollte er sagen: Meine Beziehung zu Gott ist wie die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Er wollte damit aber nicht sagen, dass Gott ein Mann ist und irgendwann Vater geworden sei. Der Inhalt ist wieder richtig, aber das Bild bleibt, was es ist: nur ein Bild! Deshalb kann ich auch nicht über Gott reden, sondern nur von Gott, also von den Erfahrungen, die ich mit ihm gemacht habe. Vor Leuten, die genau wissen, wer Gott ist, habe ich sogar richtig Angst. Jeder macht seine eigenen, ganz persönlichen Gotteserfahrungen.
Wenn ich mit Eltern die ihr Kind taufen lassen wollen, oder Firmlingen über diese Erfahrungen ins Gespräch komme, entsteht Gemeinschaft. Das ist Kirche! Dietrich Bonhoeffer hat das Ganze am einfachsten auf den Punkt gebracht: „Einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht“. Also einen Gott, über den man hundertprozentig Bescheid wissen könnte; einen Gott, der zum Gegenstand des Denkens geworden wäre, oder zum Besitz einer Glaubensgemeinschaft - einen solchen Gott gibt es nicht! Denn Gott bleibt das absolute Geheimnis. Ein Geheimnis jedoch, das mir in Jesus Christus gerade jetzt wieder zu Ostern sehr nahegekommen ist.
Diakon Andreas Brosthaus

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Wo mir Gott aufgegangen ist - Diakon Andreas Brosthaus 

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„Ein gesegnetes neues Jahr“ - Barthel Kalscheur, Pfarrer 

 

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